Warum werden immer mehr JEE-Programierer zu Rails-Anhängern? Die ersten großen Rails-Erfolge strahlen für alle gut sichtbar und der ganzheitlich agile Ansatz von Rails lockt noch zusätzlich. Da liegt es auf der Hand, für diese Zielgruppe massgeschneiderte Literatur anzubieten.

Der Autor Michael Johann (nun wahrlich kein Unbekannter in der Java-Welt) hat seine eigenen Umstiegserfahrungen sehr umsichtig und zielgruppengerecht aufbereitet. Dabei setzt er bei den Lesern einige Grundkenntnisse zu Java und Entwurfsmustern voraus. Das ist aber absolut in Ordnung, denn ganz ohne Erfahrung entscheidet sich wohl kein Programmierer für Rails.

Wer schon Erfahrungen in größeren Java-Projekten hat, will sich nicht mit HelloWorld-Beispielen aufhalten. Offenbar gibt es aber eine Regel, alle Rails-Tutorials und -Bücher müssen ein Weblog-/Newsfeed-System als Beispiel verwenden. Zumindest kommt dieses Buch recht schnell auch zu einem anspruchsvolleren Beispiel, das dann immerhin etwa die Hälfte des Buches ausmacht.

Als Java-Entwickler ist man von den IDEs verwöhnt und möchte bei einem Umstieg möglichst keinerlei Komfort verlieren. Michael Johann schafft einen fundierten Rundumblick durch die Ruby-IDE-Landschaft, gibt Hinweise zur Installation auf verschiedenen Betriebssystemen und vermeidet dabei jedes Anzeichen von Glaubenskrieg. Wer unter Windows entwickeln mag, fühlt sich ebenso gut aufgehoben, wie Linux-Anhänger oder Mac-OS-Jünger.

Agile Entwicklung mit Rails hat ihren Preis: von uns Rails-Programmierern wird allerhand verlangt, was ja durchaus etwas Gutes ist. Und so hat natürlich auch dieses Buch eigene Kapitel zur Testgetriebenen Entwicklung und zur Versionsverwaltung (im Buch leider als Versionskontrolle bezeichnet). Überraschend war für mich (der an der Übersetzung der Pragmatischen Bücher zu CVS, JUnit und Projektautomatisierung beteiligt war), dass das Thema Automatisierung kein eigenes Kapitel erhalten hat. Dabei ist doch gerade in Rails so viel automatisiert, dass mancher Einsteiger eine Referenz "Was generiere ich wie" wünschen würde. Natürlich steht trotzdem genug zur Automatisierung im Buch, man muss es sich eben z.B. aus dem Einführungsbeispiel herauslesen.

Besonders angenehm fällt auf, dass auch die Integration von Java-Teilen eine Rolle spielt. Insbesondere für langjährige Java-Entwickler ist es wichtig, auch zukünftig auf bekannte (und bekanntermaßen solide) Lösungen zurückgreifen zu können. So bekommt JRuby immerhin ein eigenes Kapitel, aber es wird auch an anderen Stellen immer wieder darauf hingewiesen.

Fazit: Dieses Buch ist für Techniker. Es läßt sich gut lesen, denn der Ton ist angenehm sachlich und ohne Schnörkel. Das macht es zu einer klaren Kaufempfehlung für alle, die den Schritt von Java zu Rails gehen wollen. Aber auch wenn man exclusiv bei Java bleiben will, kann sich hier gut darüber informieren, was einem entgeht.

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